Chronische Magen-Darm-Erkrankungen beim Hund

Um die Ursachen herauszufinden und die oft sehr ähnlichen Krankheitsbilder einer bestimmten Erkrankung zuordnen zu können, ist ein systematisches Vorgehen bei der Untersuchung notwendig. Vor einer Therapie muss also zuerst eine Diagnose gestellt werden. Zunächst sollten infektiöse Ursachen wie Darmparasiten ( z.B. Giardien), krankheitserregende Bakterien ( wie z.B. Campylobacter oder Salmonellen), Stoffwechselerkrankungen und Bauchspeicheldrüsenerkrankungen wie die exogene Bauchspeicheldrüseninsuffizienz ausgeschlossen werden. Dies beinhaltet eine vollständige Kotuntersuchung, die Anfertigung einer hämatologischen und blutchemischen Blutuntersuchung, um vor allem Leber- und Nierenerkrankungen auszuschließen. Des weiteren können Röntgenaufnahmen und Ultraschalluntersuchungen sinnvoll sein. Wenn diese Untersuchungen zu keiner klaren Diagnose führen konnten, muss man oft zu invasiven Methoden greifen und z.B. Biopsien (Gewebeproben) aus dem Magen-Darmtrakt gewinnen, um diese histologisch untersuchen zu lassen. Die Probenentnahme findet mittels Endoskopie (ÖGD= Ösophago-Gastro-Duodenoskopie) unter Narkose statt.
Die durch die Histologie am häufigsten diagnostizierten Erkrankungen sind die Futtermittelhypersensitivität (Futtermittelunverträglichkeit), die idiopatische inflammatory bowl disease ( IBD; chronisch entzündliche Darmerkrankung) und die Antibiotika-responsive Diarrhö ( ARD; d.h. dass der Hund nach der Gabe eines Antibiotikums eine deutliche Verbesserung der Symptome zeigt). Unabhängig von diesen drei genannten Erkrankungen gibt es noch Rassen, bei denen es gehäuft zu „rassetypischen“ Magen-Darmproblematiken kommt.
IBD (Inflammatory bowel disease):
Die Immunabwehr des Darmes muss permanent zwischen der Toleranz harmloser Substanzen (normale Futterbestandteile) und der Bekämpfung krankheitserregender Substanzen unterscheiden. Ist diese Balance dauerhaft gestört, kann es zu unkontrollierten Entzündungsreaktionen kommen. Hierbei unterscheidet man verschiedene Typen der IBD (lymphoplasmazelulläre Infiltration, eosinophile Infiltration, granulomatöse Enteritis, proliferierende Enteritis). Die Symptome sind Erbrechen und Durchfall, sowie Gewichtsverlust trotz teilweise erhaltenem Appetit. Hier kann oft kein spezieller Auslöser für die Erkrankung ermittelt werden und auch wird eine genetische Komponente diskutiert. (Gehäuftes Auftreten beim Deutschen Schäferhund, Rottweiler, Shar Pei, Yorkshire Terrier)
Es ist sehr schwer die oben genannten Erkrankungen voneinander zu unterscheiden und oft bleibt der Auslöser für diese Leiden ungeklärt. Dies kann ein frustrierender Prozess für den Tierhalter und den Hund darstellen. Bleibt dieser Zustand jedoch ungeklärt und unbehandelt, kann dies schwere Folgeerkrankungen nach sich ziehen, wie die Proteinverlust-Enteropathie oder Lymphangiektasien. Die Proteinverlust-Enteropathie tritt im Endstadium auf. Die Tiere verlieren stetig weiter an Gewicht, trotz vermehrter Futteraufnahme und sie entwickeln einen Aszites (Bauchwassersucht). Ist die Erkrankung erst einmal so weit fortgeschritten ist die Prognose leider schlecht.
Die Therapien des hier beschriebenen Krankheitsbildes umfassen in erster Linie eine Diät. Diese allein zeigt schon bei 50% aller betroffenen Tiere eine deutliche Besserung. Diese sollte fettreduziert sein, auch macht eine Ausschlussdiät mit ausgewählten Kohlenhydrat- und Proteinquellen Sinn, ebenso hypoallergene Diäten. Des weiteren hilft oftmals eine Antibiotikumgabe um eine Dysbaktrie, also eine bakterielle Fehlbesiedlung des Darmes zu regulieren. In schweren Fällen ist es sinnvoll, eine immunsuppressive Therapie anzustreben um überschießende Immunreaktionen zu vermeiden.
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