
Zecken übertragen eine Vielzahl von Krankheitserregern. Die bei uns bekanntesten sind die durch Bakterien hervorgerufene Lyme-Borreliose, die Babesiose, die Ehrlichiose und die virusinduzierte FSME ("Frühsommermeningoencephalitis"), eine Form der Hirnhautentzündung.
Vielfach hört man die Frage, ob man seinen Hund "gegen Zecken" impfen lassen soll. Es gibt jedoch keine Impfung "gegen Zecken", sondern allenfalls gegen einige der von Zecken übertragenen Krankheiten. Gegen die Lyme-Borreliose gibt es in Mitteleuropa einen Impfstoff - hier jedoch nur für Hunde, nicht aber für den Menschen. Gegen andere von Zecken übertragene Infektionen existieren in Deutschland keine zugelassenen Impfstoffe.
Mit starken regionalen Schwankungen sind etwa 20 bis 30% aller Zecken der Art "Gemeiner Holzbock" (Ixodes ricinus) Träger von Borrelien, der Befall mit anderen, früher ausschliesslich in tropischen Ländern heimischen Erregern nimmt konstant zu. Gegen Borreliose scheinen die meisten Hunde eine genetisch bedingte Resistenz zu besitzen. Von Wildtieren, die ja in großem Maß von Zecken gebissen werden, nimmt man an, dass sie vollständig gegen die Krankheit resistent sind. Auch die meisten Hunde, die regelmäßig von Zecken gebissen werden, tragen Antikörper gegen Borrelien in sich, ohne zu erkranken.
Ein geringer Prozentsatz infizierter Hunde erkrankt aber, da die gebildeten Antikörper offensichtlich nicht in der Lage sind, die Bakterien vollständig zu eliminieren. Die Behandlung der Borreliose durch Antibiotika über 2 bis 4 Wochen führt in aller Regel zum Verschwinden der Symptome. Eine vorbeugende Schutzimpfung gegen die Lyme-Borreliose ist derzeit nicht für den Menschen, jedoch für den Hund erhältlich. Leider ist diese Schutzimpfung noch mit einigen Problemen behaftet.
In Deutschland und den Nachbarländern existieren (anders als in den USA) mehrere nah verwandte Erreger, von denen bisher mindestens 3 beim Menschen sowie bei erkrankten Hunden nachgewiesen wurden und die für das Entstehen der Lyme-Borreliose verantwortlich gemacht werden (Borrelia burgdorferi s.s., B. garinii und B. afzelii). Der bei uns erhältliche Impfstoff "Merilym" (sprich: Merileim) ist gegen Borrelia burgdorferi s.s. gerichtet, die seltenere der drei genannten Arten. Die Herstellerfirma gibt zwar an, dass eine Kreuzreaktion auch gegen die beiden anderen wichtigen Arten gegeben ist, ob aber auch ein Schutz vor der Erkrankung durch die anderen Borrelien bewirkt wird, ist zweifelhaft.
Es besteht der Verdacht, dass Hunde, die mit Borrelien infiziert, aber nicht erkrankt sind, nach einer Impfung erkranken können. Um diese Gefahr zu reduzieren, sollte keinesfalls in der Zeckensaison geimpft werden. Außerdem muss sichergestellt sein, dass die zu impfenden Tiere früher keine Borreliose durchgemacht haben! Wie oben dargelegt, ist ein erheblicher Teil aller bei uns vorkommenden Zecken Träger von Borrelien und anderer Infektionserreger. Da aus wissenschaftlicher Sicht erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Borreliose-Impfung bestehen und darüber hinaus die Verbreitung anderer Erreger durch Zecken stetig zunimmt, sehen wir den größten Nutzen darin, Hunde gegen den Befall durch Zecken zu schützen.
Äußerlich wirksame Medikamente (sog. Spot-on-Präparate oder Halsbänder) schützen Ihren Hund wirkungsvoll gegen Zeckenbefall und stellen die beste Vorbeugung gegen alle von Zecken übertragenen Erkrankungen dar. Zur Wahl des für Ihren Hund am besten geeigneten Präparates beraten wir Sie gerne.
Informationen zum Thema Borreliose finden Sie hier: http://www.r-m-l.de/faq/borrel.html